Zeitaufwand und Schieben

Wie viele Digihumsler sind dem Musterstudienplan 1:1 gefolgt? Die Anzahl folgt dem Weg der Dodos. Ein englisches Sprichwort, sehr beliebt um eine aussterbende Spezies zu bezeichnen („über die Gründe der Popularität gerade dieser früh ausgestorbenen, vergleichsweise schlecht dokumentierten und für das gewöhnliche Schönheitsempfinden eher unästhetischen Art ist viel spekuliert worden“, wundert sich ein Wikipedia-Autor). Aber weshalb? Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. Oder wie Astrid meint: Weil Mathe blöd ist!!!!! Für jede:n ist ein anderes Fach besonders schwer, 5 ECTS können vom Arbeitsaufwand sehr unterschiedlich ausfallen.

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weißes Dodoküken – tot

Deshalb kriegt ihr hier Tipps fürs Schieben! Eine ganz eigene Kunst, vor allem wenn ihr die Regelstudienzeit von 6 Semestern einhalten wollt (d.h. 30ECTS pro Semester anstrebt). Ich persönlich bin jetzt im 7. Semester, habe mein Zweitfach einmal gewechselt und wollte mir Zeit lassen für interessante Schlüsselqualis (SQ), das DH-Projekt und die Bachelorarbeit.

  1. Wiederholungsmöglichkeiten: manche Fächer gibt es nur im Jahresturnus, also nur im Winter- oder Sommersemester (z.B. Mathematik für Naturwissenschaftler). Wenn ihr diese schiebt, habt ihr also eine längere Pause. Die Informatiksachen sind fast alle durchgängig belegbar.
  2. GOP: Die Grundlagen- und Orientierungsprüfung ist dazu da, Geisterstudis auszusortieren. Ihr müsst innerhalb der ersten 3 Semester entweder GdI oder das Modul Einführung in die DH bestehen, sowie 12,5 ECTS aus den restlichen Pflichtfächern. Das hört sich mehr an, als es ist, und passiert eigentlich ganz nebenbei – aber beim Schieben solltet ihr auf jeden Fall darauf achten, dass ihr die GOP einhaltet (also nicht IWGS und GdI schieben).
  3. Sinnvolle Struktur: es macht auch tatsächlich Sinn, sich einigermaßen am Studienverlaufsplan zu orientieren. Die Einführung im 4. Semester zu machen wäre etwas seltsam (aber no shame, you do you). Für die Wahlpflichtmodule oder auch DH1 ist es z.B. hilfreich, bereits mit Python programmieren zu können, was ihr in IWGS I und II macht. Aber die DH-Module sind ziemlich unabhängig voneinander, auch MathNat und MuS sind untereinander austauschbar.
  4. Schiebeart: Schieben bedeutet nicht unbedingt, von Anfang an die Lehrveranstaltung sausen zu lassen. Meistens hilft es sehr, zumindest passiv zugehört zu haben und beim zweiten Durchlauf richtig mitzumachen. Gebt also nicht zu schnell auf und besucht z.B. einfach die Übungen weiter, selbst wenn ihr bei der VL raus seid. Ich habe auch oft einfach den Lernaufwand kurz vor der Klausur mit anderen Prüfungsleistungen nicht unter einen Hut gebracht und deshalb nachgeschrieben. Oder ihr merkt, dass euch ein Wahlfach eher nicht taugt – bei mir war das bei GLOIN der Fall, stattdessen kann man auch TheoInf belegen, was euch liegt müsst ihr selbst herausfinden.
  5. Zweit- und Drittversuche: Nur die GOP-Leistungen müsst ihr beim Zweitversuch spätestens bestehen, ansonsten ist es keine Schande oder Seltenheit, ein Fach auch wiederholt belegen zu müssen, weil man die Klausur nicht bestanden hat. Meistens ist der Zweitversuch noch im selben Semester bzw. im 2. Prüfungszeitraum Ende der vorlesungsfreien Zeit. Aber Achtung: in der Informatik kann das auch anders sein, da hier die Fächer jedes Semester angeboten werden (z.B. KonzMod oder GdI).

Die Schlüsselquallen – verbrennt euch nicht!

Studieren macht superviel Spaß! Ihr werdet schnell feststellen, dass neben den Pflichtmodulen auch tolle weitere Dinge zu entdecken und lernen sind. Ein paar SQs müsst ihr sowieso belegen (meistens ca. 20-30ECTS) – egal ob Fremdsprachen, Einblicke in andere Fächer, Musik oder Soft-Skills (v.a. Recherche-, Schreib- und Retorikübungen), für jeden ist etwas dabei. Aber Achtung: hütet euch vor den Schlüsselquallen! Man verbrennt sich schnell an der eigenen Begeisterung und überschätzt vielleicht den Arbeitsaufwand. 30ECTS, HÖCHSTENS 35! Sonst erwischt euch noch der Mid-semester-Blues, und ihr schafft nicht einmal die Pflichtsachen fertig oder kommt gar nicht mehr aus dem Bett.

Beispielrechnung für Lernaufwand anhand der ECTS:

• Ein Modul mit 5 ECTS-Punkten -> entspricht Arbeitsaufwand von 125 – 150 Std. (5 x 25/30 Std.)
• Die Lehrveranstaltung beinhaltet z. B. eine VL von 4 SWS und eine Übung von 2 SWS -> insgesamt eine Präsenzzeit von 6 SWS.
• Eine akademische Stunde (45 Min.) wird bei der Berechnung des Arbeitsaufwands mit einer Zeitstunde (60 Min.) angesetzt, die Vorlesungszeit mit 15 Wochen. Daher entspricht 1 SWS 15 Std. Präsenzzeit -> also 90 (6 x 15) Std.
• Folglich bleiben zum Selbststudium 35 bis 60 Std. (125 bzw. 150 – 90).

Übrigens: Die Note spielt bei SQs keine Rolle! Ihr müsst nur bestehen 🙂

Unsere Geheimtipps für Allgemeinbildung:

  • Indogermanistik: ziemlich klein, ziemlich cool! Ein eher unbekanntes Fach, das viel zu bieten hat; von Sanskrit bis Altirisch, Runenkunde oder Gotisch, hier entdeckt ihr unentdeckte Leidenschaften für Linguistik und Geschichte.
  • Kommunikationswissenschaften: v.a. Mediensysteme hat uns gut gefallen und die 5 ECTS sind fast geschenkt – die Online-Aufbereitung ist super und auch asynchron machbar.
  • Archäologie: was soll man da noch sagen – einfach hingehen!
  • DH-Wahlpflichtmodule: neben den 10ECTS, die ihr sowieso belegen dürft, werden euch womöglich noch weitere Angebote locken – die könntet ihr als SQs belegen.
  • Linguistische Informatik: Sozusagen unser Schwesterfach, gerade wenn euch DH1 gefällt, könnt ihr hier gut Kenntnisse vertiefen – ein bisschen stärker technisch orientiert.
  • Germanistik: überraschend vielfältiges SQ-Angebot, das auch geschichtlich und gesellschaftlich spannend ist.
  • (Kunst-)Geschichte, Philosophie & Politikwissenschaft: Alles, was das Humanities-Herz begehrt, findet ihr hier.

Honorable Mentions: falls euch Medien interessieren, dann schaut in die Kompetenzen für Studium und Beruf! Hier findet ihr das Uniradio Funklust, das Studimagazin V, Schreiben für die Medien oder könnt euch beim Filmdreh weiterbilden. Die VHB bietet auch jedes Semester tolle Lehrveranstaltungen aus anderen Universitäten online an, z.B. der LMU oder der Uni Bayreuth und Bamberg. Fremdsprachen findet ihr beim Sprachzentrum, Anmeldungen laufen in dem Fall über OKTIS.

What else to Do??

Habt ihr noch immer nicht genug? Alles klar! Ihr seid gerne dazu aufgefordert, euch auch weiter zu engagieren, z.B. bei unserer FSI! Wir suchen immer Verstärkung, und es ist nie zu früh, um reinzuschnuppern. Aber natürlich könnt ihr auch ganz große Politik machen, sucht euch dafür einen Schwerpunkt aus den Referaten und Arbeitskreisen aus. Bei den Hochschulgruppen findet ihr einen Misch-Masch aus Parteien, Freizeitgruppen (z.B. den Debattierclub, BnB oder FAUst aufs Auge) und ehrenamtlichem Engagement. Ihr könnt euch auch beim Theater austoben oder im Hochspulsport – das Datum für den Anmeldestart müsst ihr aber in den Kalender eintragen, meistens sind nach wenigen Minuten schon alle Plätze weg! Das gibt sich dann meistens im Semester von selbst, schaut also auch Mittendrin immer mal wieder rein ob wieder was frei geworden ist oder schreibt die Verantwortlichen direkt an.

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